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04.02.2005

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Erinnern  war  nicht  vorgesehen.  Nach dem Abzug der Roten  Armee  im  September 1994 kam aus Bonn das Kommando:    Bunker  fluten,  Eingänge  zubetonieren. "Der  Plan  wurde  nun ad acta gelegt", erzählt  Werner Borchert,  Geschäftsführer der Bücherstadt - Tourismus GmbH  Wünsdorf ( Teltow - Fläming ),  " weil Leute aus dem Dorf sagten:  Die Russen hatten dort unten  Akku-Ladestationen.  Da kann noch Säure sein, die dann ins Grundwasser  gelangt ".  Dank  dieser  Intervention  der Bevölkerung  blieb der zwischen  1937 und 1939 in den märkischen Kiefernwald  gestampfte  Fernmeldebunker erhalten.    Sein   Name:  " Zeppelin ",  ein  Zeuge  aus Deutschlands dunkelster Zeit.

Werner  Borchert  öffnet  das  Gitter  am  Nordeingang. "Diese  Tür  ist  ein  Geschenk",  erklärt er, als wolle er ihren  Heimwerker-Charme  entschuldigen.  " Eigentlich hat der Schlosser sie für ein Bordell gebaut.  Doch weil das pleite ging,  konnten wir sie  bekommen.  " Die Be-sucher schmunzeln.  "Lachen Sie nicht",  gibt Borchert zu bedenken.  "Wir machen hier ernsthafte Arbeit. Aber so  klein  sind unsere  Verhältnisse nun mal.  Wir brau-chen jede Hilfe."

Ganz im  Gegensatz zur  Bedürftigkeit ist die  Aufgabe, die sich  Borchert und seine  Crew gestellt haben,  eine wahre  Herkules-Arbeit.  Nach dem kläglichen Ende der Landesentwicklungsgesellschaft  (LEG)  fingen sie  An-fang 2003 noch einmal neu an: Zu viert und ohne öffent-liche  Förderung.  Dafür mit dem klaren  Bekenntnis zur Militärgeschichte  der  Region.    Seither  weht  frischer
Wind durch die Bücherstadt, gibt es jede Menge Pläne. Sogar von "Deutschlands erstem Lesehotel" träumt der Geschäftsführer schon.

 


Schuften für die Erinnerung

"Bunkersubbotnik in Wünsdorf"                                     MARTIN STEFKE   

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" Mit   Herbergscharakter ",  wie  er  sagt,   " und  einer ganzen  Etage,  in der wir zusammen mit Verlagen das Buch als multimediales Objekt präsentieren."

Eine  Vision,  deren  Verwirklichung noch  Jahre dauern kann.  Allein  mit  Eigenleistung und  Engagement wird dieses   Vorhaben   kaum   gelingen.   Wünsdorf,  weiß Borchert,  sei  durch  die  LEG-Pleite  so  stigmatisiert, dass  es  derzeit  aussichtslos  ist,   öffentliche  Gelder zu akquirieren.  So arbeiten die Wünsdorfer vorerst aus eigener  Kraft.  Mit  beachtlichem  Erfolg.  35 000 Men-schen haben die Stadt 2004 besucht.  Fast zwei Drittel ließen  Geld  da  für  Bunkerführung  und  Eintritt  in die Museen.  Das sind nicht nur zehn  Prozent mehr als im Jahr zuvor. Es gab sogar einen kleinen Gewinn.

Der  Bunker  ist  wie  geschaffen  zur  Erinnerung, zum Verstehen von Geschichte.  Auch weil die sowjetischen Sieger ihn seit Anfang der 60er Jahre als Telefonzentra-le  und  Führungsbunker  ihres  Oberkommandierenden nutzten.   Angriffspläne  und  Widerstand,   Kapitulation und  Kalter  Krieg - welch außergewöhnliches  Museum hätte  hier  entstehen  können,  eines  das den Zweiten Weltkrieg  wie auch die  Zeit der sowjetischen  Besatz-ung dokumentiert.  Doch erschreckend  konzeptionslos ging man nach dem Abzug der Sowjets ans Werk.  Die Politik beschwor die blühende Zukunft der Region. Geld spielte scheinbar keine Rolle.  Jetzt gibt es Ideen, aber kein  Geld.  Borchert  setzt vorerst auf  Ehrenamt.  Ihm bleibt  keine  andere  Wahl.  So ruft er dieses Wochen-ende  zum " Subbotnik " in die  Bunker.  " Am Tag wird gearbeitet ",  scherzt er,  "da gilt die  Leninsche Norm', abends gibt es Soldatensuppe'  und ein Bier als Danke-schön."

 

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