"Ja,
so war das damals", murmelte Erich
Münchow und zog gleichsam einen Schlussstrich unter
das Kapitel als Nachrichtensoldat. Der
82-Jährige war in dieser Woche noch
einmal in die Bunkeranlagen der
Wünsdorfer Waldstadt gestiegen - mehr als sechs Jahrzehnte nach seiner
Dienstzeit im Bunker Zeppelin. Der Perleberger hatte in der Zeitung einen
Artikel über eine Bunker-Tour in der Waldstadt gelesen und darüber,
dass ein Teil der alten Nachrichtentechnik wieder
besorgt werden soll. "Da wurde ich neugierig,
da musste ich nach all den Jahren wieder zurück",
bekannte er.
Ruhig und sichtlich aufgeräumt kletterte er aus seinem Wagen und wurde von HansAlbert Hoffmann vom Förderverein Garnison-Museum sowie von Werner Borchert, dem Chef der Bücherstadt GmbH begrüßt. Und von einem Fernsehteam, das den rüstigen Rentner bei seinem Gang in die Unterwelt begleitete.
"Er war kaum aufgeregt", verriet die mitfahrende Lebensgefährtin There-sia Lange. Schon der Zossener Bahnhof weckte beim Vorbeifahren Erinnerungen. Dann ging es gemeinsam los. "Ja, das muss der Eingang gewesen sein. Manches erkenne ich wieder", sprach er und seine Augen suchten weiter die Gegend ab. Vieles hatte sich verändert, Bäume waren gewachsen, vor allem aber hatten die Russen umfangreiche Umbauar-beiten vorgenommen. "Hier saßen die Rotkehlchen drin", scherzte Münch-ow als er die Tür zum Eingang öffnete. "Das waren Wachsoldaten mit einem roten Band an der Mütze, deshalb Rotkehlchen", erklärte er.
Abstieg
in die Erinnerung
von REINHARD BUTZEK
Der einstige Nachrichtensoldat Erich Münchow betrat noch einmal den Zeppelin-Bunker in Wünsdorf
"So haben wir damals gearbeitet", erklärt Erich Münchow und zeigt auf alte Fotografien. Er stieg nach mehr als 60 Jahren wieder in die Wünsdorfer Bunkerwelt hinab. FOTO: REINHARD BUTZEK


Bis 1943 saß er im Zeppelin Bunker am Fernschreiber, bis im Sommer die Männer durch Frauen ausgetauscht und an die Front verlegt wurden. Doch er hatte wieder Glück, saß im Nachrichtenbataillon. "Und wenn es brenzlig wurde, ja dann zog unsere Truppe stets weg: Ohne diese Fachkenntnisse wäre ich vielleicht in Stalingrad gelandet. Das war ja das Schlimmste", erzählt er. Unverwandt schaut er auf eine Nische im Gang: "Hier war doch eine Tür?" "Die wurde von den Russen zugemauert", half Hoffmann weiter. Dann tauchte die Frage auf, wo denn eigentlich der Fahrstuhl war. Unterschiedliche Auffassungen. "Da müssen wir uns nachher noch mal unterhalten", so der Militärhistoriker. Er hatte ohnehin vor, so viel wie möglich von dem seltenen Gast zu erfahren. "Zeitzeugen der Bunkeranlagen aus den Jahren 1940 bis 1943 konnte ich bislang noch nicht sprechen. Nur die Telefonistinnen, die damals die Männer ablösten", ergänzte er. "Ja, so war das damals", sprach Münchow für sich. Nach gut zwei Stunden unter Tage stieg er auf. Die Begleiter und das TV-Team hatten ihn beim Rundgang kaum zur Ruhe kommen lassen. Am Nachmittag wollte er noch einmal einsteigen, vor allem Militärhistoriker Hoffmann erklären, wie einiges angeordnet und organisiert war. Nach außen hin machte er einen ruhigen Eindruck, aber innerlich hatte ihn der erste kurze Gang in die Bunkeranlagen aufgewühlt. Die Unbekümmertheit, ja Fröhlichkeit der ersten Minuten waren verschwunden. "Die Erinnerungen kommen wieder hoch, ich bin wie zurückversetzt. Gut, dass diese Zeit vorbei ist." Nachdenklich geht er die Betonstraße lang.