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20.05.2005

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

"Ja,  Wenn  Anke  pfeift,  steht alles still.  Auf ein Kommando der Studentin halten  zehn  Leute  die  Füße  ruhig,  - nicht  Anke,  sondern empfindlichen Messgeräten   zuliebe.   In   den   sandigen   Boden   auf dem  Wünsdorfer Bunkergelände  haben  die a ngehenden  Geophysiker von der Universität Potsdam  ihre so genannten Geofone versenkt.  Die knallroten, eiförmigen Geräte  nehmen  seismische  Wellen  auf.  Da  können  Schritte schon mal stören.

Nein, Wünsdorf braucht kein Erdbeben zu befürchten. Hier geht es um alte Stollen.  Mithilfe  von  seismischen,  elektrischen  und  magnetischen Mes-sungen suchen  die Studenten nach unterirdischen  Gängen,  die einst den Nachrichtenbunker  Zeppelin mit  den Maybach-Bunkern und dem Reichs-postgebäude verbanden. Ehemalige Nachrichtenhelferinnen, die während des Krieges auf dem Gelände ihren Dienst versahen, hatten von der Exis-tenz dieser Verbindungsstollen berichtet.

"Uns  fehlen  aber  noch  immer  konkrete Hinweise", sagt der Militärhisto-riker  Hans-Albert  Hoffmann,  der  regelmäßig  Führungen  durch die Bun-keranlage  veranstaltet.  Die  Beweise  sollen nun die jungen Geophysiker liefern.  Unter  der Anleitung von  Dozentin Erika Lück absolvieren sie der-zeit ein viertägiges Praktikum in Wünsdorf.

"Und?  Habt Ihr was gefunden", ist die häufigste Frage, die Studenten und Lehrkräfte  nun  zu  hören  bekommen.  Die Antwort fällt vage, aber vielver-sprechend  aus:  Bei g eoelektrischen  Messungen  habe man den bereits bekannten   Südstollen   "und   noch   andere  Sachen"  erkennen  können, erzählt Robert.  Er  meint  einen der verschütteten Gänge.  Der Student im sechsten Semester hält einen Vorschlaghammer in der Hand. Wenn Anke pfeift  und  alles  stillsteht,  haut  Robert  mit  dem Hammer auf eine Metall-platte.  Von  dort  dringen  dann seismische Wellen in den Boden und wer-den  sofort von  den Geofonen aufgefangen.  Bei Anke,  die am Computer sitzt,  macht  es  dann  piep -  die Geräte haben das Signal aufgezeichnet. " Betonplatten  reflektieren  die  Wellen  besonders  gu t",   erklärt  Robert. Wenn  die  Messarbeiten  vorüber  sind,  muss er sich wie alle anderen an den   Computer  setzen  und  die   Daten  in  einer  Hausarbeit a uswerten.

Das  Zusammentragen  aller Messergebnisse erledigen die Dozenten da-gegen  selbst.  "Das  ist  die hohe  Schule der Geophysik",  erläutert Erika Lück.  Sie wird die Datenfülle zu einem schlüssigen  Bild zusammenführen und  damit  die Stollen-Frage endgültig beantworten.  "Das ist auch für uns sehr  spannend",  sagt  die  Geophysikerin.  Sollten sich  die Vermutungen bestätigen,  kann  gebuddelt  werden.  "Dann  müssen  wir  nach  den Ein-gängen suchen", erläutert Hans-Albert Hoffmann.

Trotz  der  guten  Aussichten  konnte sich der Bunkerexperte gestern nicht so recht freuen.  In  der Nacht zum  Donnerstag hatten  Unbekannte ihr Un-wesen  auf  dem  Gelände  getrieben:  Geofone  waren aus der Erde geri-ssen  und  in  Bäume geworfen worden.  Außerdem verschwanden Geräte zum Öffnen der Bunkertüren.


Und? Schon was gefunden?      von MARIKA BENT

In Wünsdorf suchen Studenten nach verschütteten Bunker Stollen  

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Hau  drauf:  Student Robert schlägt mit dem Hammer auf den Boden. Die seismischen Wellen, die er so auslöst, werden von empfindlichen Geräten aufgezeichnet.                                FOTO:  MARIKA BENT

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