"Ja, Wenn Anke pfeift, steht alles still. Auf ein Kommando der Studentin halten zehn Leute die Füße ruhig, - nicht Anke, sondern empfindlichen Messgeräten zuliebe. In den sandigen Boden auf dem Wünsdorfer Bunkergelände haben die a ngehenden Geophysiker von der Universität Potsdam ihre so genannten Geofone versenkt. Die knallroten, eiförmigen Geräte nehmen seismische Wellen auf. Da können Schritte schon mal stören.
Nein, Wünsdorf braucht kein Erdbeben zu befürchten. Hier geht es um alte Stollen. Mithilfe von seismischen, elektrischen und magnetischen Mes-sungen suchen die Studenten nach unterirdischen Gängen, die einst den Nachrichtenbunker Zeppelin mit den Maybach-Bunkern und dem Reichs-postgebäude verbanden. Ehemalige Nachrichtenhelferinnen, die während des Krieges auf dem Gelände ihren Dienst versahen, hatten von der Exis-tenz dieser Verbindungsstollen berichtet.
"Uns
fehlen aber noch immer konkrete Hinweise",
sagt der Militärhisto-riker Hans-Albert Hoffmann, der
regelmäßig Führungen durch die Bun-keranlage
veranstaltet. Die Beweise sollen nun die jungen Geophysiker
liefern. Unter der Anleitung von Dozentin Erika Lück
absolvieren sie der-zeit ein viertägiges Praktikum in Wünsdorf.
"Und? Habt Ihr was gefunden", ist die häufigste Frage,
die Studenten und Lehrkräfte nun zu hören bekommen.
Die Antwort fällt vage, aber vielver-sprechend aus: Bei
g eoelektrischen Messungen habe man den bereits bekannten
Südstollen "und noch andere
Sachen" erkennen können, erzählt Robert. Er
meint einen der verschütteten Gänge. Der Student
im sechsten Semester hält einen Vorschlaghammer in der Hand. Wenn Anke
pfeift und alles stillsteht, haut Robert mit
dem Hammer auf eine Metall-platte. Von dort dringen
dann seismische Wellen in den Boden und wer-den sofort von den
Geofonen aufgefangen. Bei Anke, die am Computer sitzt, macht
es dann piep - die Geräte haben das Signal aufgezeichnet.
" Betonplatten reflektieren die Wellen besonders
gu t", erklärt Robert. Wenn die
Messarbeiten vorüber sind, muss er sich wie alle
anderen an den Computer setzen und die Daten
in einer Hausarbeit a uswerten.
Das Zusammentragen aller Messergebnisse erledigen die Dozenten da-gegen selbst. "Das ist die hohe Schule der Geophysik", erläutert Erika Lück. Sie wird die Datenfülle zu einem schlüssigen Bild zusammenführen und damit die Stollen-Frage endgültig beantworten. "Das ist auch für uns sehr spannend", sagt die Geophysikerin. Sollten sich die Vermutungen bestätigen, kann gebuddelt werden. "Dann müssen wir nach den Ein-gängen suchen", erläutert Hans-Albert Hoffmann.
Trotz
der guten Aussichten konnte sich der Bunkerexperte
gestern nicht so recht freuen. In der Nacht zum Donnerstag
hatten Unbekannte ihr Un-wesen auf dem Gelände
getrieben: Geofone waren aus der Erde geri-ssen und in
Bäume geworfen worden. Außerdem verschwanden Geräte
zum Öffnen der Bunkertüren.
Und?
Schon was gefunden?
von MARIKA BENT
In Wünsdorf suchen Studenten nach verschütteten Bunker Stollen
Hau drauf: Student Robert schlägt mit dem Hammer auf den Boden. Die seismischen Wellen, die er so auslöst, werden von empfindlichen Geräten aufgezeichnet. FOTO: MARIKA BENT

