<< zurück  


02.06.2005

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

"Perfekt!"  Oberst Kunio Baba  muss nicht lange nach Worten suchen,  um die Bunker in Wünsdorf zu beschreiben. "Wir in Japan haben auch Bunker gebaut, aber nicht solche", sagt der japanische Militärattaché, der gestern zum ersten Mal die Anlage besichtigte - auf eigenen Wunsch,  denn Kunio Baba interessiert sich seit langem für die Wünsdorfer Bunker.

Mit  seinem  Dienstantritt  in Deutschland vor "einem Jahr und neun Mona-ten"  ergab sich für den  Verteidigungsattache der japanischen Armee die Möglichkeit,  bedeutende  Stätten des  Zweiten Weltkrieges näher kennen zu lernen.  Von  Wünsdorf und dem hier stationierten  Oberkommando des Deutschen  Heeres  erfuhr Kunio Baba zunächst aus Büchern. Seine Neu-gier  war  geweckt.  "Ich  erkundigte  mich,  wer  mir  mehr über die Anlage erzählen  könnte",  sagt  der  Oberst,  der  schließlich  am militärgeschicht-lichen Forschungsamt in Potsdam fündig wurde.

Dort  arbeitet  Johannes  Berthold  Sander - Nagashima,  Historikerstabs-offizier und Experte für deutsch-japanische Militärgeschichte. Auf die Bitte des Militärattaché organisierte  Sander-Nagashima den Besuch,  der sich recht ungezwungen gestalten sollte: Der Japaner und der Deutsche absol-vierten  die  übliche 90-Minuten-Tour  durch den Maybach-und den Zeppe-lin-Bunker.

Als  besonders  faszinierend empfand Kunio Baba dabei die durchgehen-de  Weiternutzung  der  Anlage  nach Kriegsende.  "Die Deutschen haben hier  das  Leben  unter  der  Erde  erstaunlich  gut  organisiert. Die Russen konnten   alles   einfach  übernehmen",   fasst  er  seine  ersten  Eindrücke zusammen.


"Erstaunlich gut organisiert"      von MARIKA BENT

Der japanische Militärattache besuchte gestern die Wünsdorfer Bunker 

home

Ein Blick  auf  russische  Uniformen:  Militärattaché  Kunio Baba und Historikerstabsoffizier   Johannes  Berthold  Sander - Nagashima  be-suchen  die  Ausstellung  "Russischer Soldatenalltag".
FOTO:  MARIKA BENT

  << zurück  
Vor allem die technische Ausstattung und die Tatsache, dass die Bunker nicht nur Schutzraum,  sondern auch Arbeitsort waren, haben es dem Militärattaché angetan, beflügelt die Ruine doch auch seine Phantasie:  "Man stellt sich vor,  was die Menschen hier gemacht haben. Wie die Technik funktionierte", erzählt Kunio Baba.

Er möchte auf jeden Fall noch einmal wiederkommen  -  "aber bei besserem Wetter",  scherzt der Japaner.  Die Gelegenheit dazu wird er noch bis 2006 haben,  denn so lange bleibt er in Deutschland.  Die Fußballweltmeisterschaft  wolle er  unbedingt  miterleben,  sagt Oberst Baba,  der  sich  in  seiner Freizeit  jedoch  eher  für  Baseball und Modelleisenbahnen begeistert. Er liebe die Modelle von ,Fleischmann', gestand  Kunio Baba  einmal  im  Informationsblatt des japanischen Generalkonsulats Hamburg.  Vor fünf Jahren absolvierte er dort einen Lehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr.  "Einander  kennen  lernen  ist das wichtigste, aber auch das schwierigste Wort im Militärbereich",  schrieb  er  damals  über  seinen  Aufenthalt.  Auch in Wünsdorf spricht er vom Kennenlernen: "Das ist meine Aufgabe als Militärattache.  Dafür zu sorgen, dass sich die beiden Länder in Fragen der Sicherheit besser kennen lernen."