"Perfekt!" Oberst Kunio Baba muss nicht lange nach Worten suchen, um die Bunker in Wünsdorf zu beschreiben. "Wir in Japan haben auch Bunker gebaut, aber nicht solche", sagt der japanische Militärattaché, der gestern zum ersten Mal die Anlage besichtigte - auf eigenen Wunsch, denn Kunio Baba interessiert sich seit langem für die Wünsdorfer Bunker.
Mit seinem Dienstantritt in Deutschland vor "einem Jahr und neun Mona-ten" ergab sich für den Verteidigungsattache der japanischen Armee die Möglichkeit, bedeutende Stätten des Zweiten Weltkrieges näher kennen zu lernen. Von Wünsdorf und dem hier stationierten Oberkommando des Deutschen Heeres erfuhr Kunio Baba zunächst aus Büchern. Seine Neu-gier war geweckt. "Ich erkundigte mich, wer mir mehr über die Anlage erzählen könnte", sagt der Oberst, der schließlich am militärgeschicht-lichen Forschungsamt in Potsdam fündig wurde.
Dort arbeitet Johannes Berthold Sander - Nagashima, Historikerstabs-offizier und Experte für deutsch-japanische Militärgeschichte. Auf die Bitte des Militärattaché organisierte Sander-Nagashima den Besuch, der sich recht ungezwungen gestalten sollte: Der Japaner und der Deutsche absol-vierten die übliche 90-Minuten-Tour durch den Maybach-und den Zeppe-lin-Bunker.
Als besonders faszinierend empfand Kunio Baba dabei die durchgehen-de Weiternutzung der Anlage nach Kriegsende. "Die Deutschen haben hier das Leben unter der Erde erstaunlich gut organisiert. Die Russen konnten alles einfach übernehmen", fasst er seine ersten Eindrücke zusammen.
"Erstaunlich
gut organisiert"
von MARIKA BENT
Der japanische Militärattache besuchte gestern die Wünsdorfer Bunker
Ein Blick auf
russische Uniformen: Militärattaché Kunio Baba
und Historikerstabsoffizier Johannes Berthold Sander - Nagashima
be-suchen die Ausstellung "Russischer Soldatenalltag".
FOTO: MARIKA BENT


Er möchte auf jeden Fall noch einmal wiederkommen - "aber bei besserem Wetter", scherzt der Japaner. Die Gelegenheit dazu wird er noch bis 2006 haben, denn so lange bleibt er in Deutschland. Die Fußballweltmeisterschaft wolle er unbedingt miterleben, sagt Oberst Baba, der sich in seiner Freizeit jedoch eher für Baseball und Modelleisenbahnen begeistert. Er liebe die Modelle von ,Fleischmann', gestand Kunio Baba einmal im Informationsblatt des japanischen Generalkonsulats Hamburg. Vor fünf Jahren absolvierte er dort einen Lehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr. "Einander kennen lernen ist das wichtigste, aber auch das schwierigste Wort im Militärbereich", schrieb er damals über seinen Aufenthalt. Auch in Wünsdorf spricht er vom Kennenlernen: "Das ist meine Aufgabe als Militärattache. Dafür zu sorgen, dass sich die beiden Länder in Fragen der Sicherheit besser kennen lernen."