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12.07.2005

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Es  gehört  zu  den  natürlichen  Bedürfnissen  des Menschen, dass er den öffentlichen  Raum,  in  dem er lebt, in Ordnung und Sauberkeit sehen will - geschnittene   Hecken,   müllfreie   Parkanlagen  schmeicheln  dem  Auge, befördern  positive  Gefühle. Was man gemeinsam nutzt auch gemeinsam zu pflegen,  daraus  entstand  weit  im  Osten,  in der Sowjetunion der 30er Jahre,  der Gedanke, sich am Sonnabend für drei Stunden zum Subbotnik zu treffen,  um danach bei Tee und Wodka den geharkten Weg, die frisch-gestrichene   Fassade   zu  bestaunen.   Der  Förderverein  " Freunde  der Bücherstadt   Wünsdorf "   lud   am  vergangenen  Wochenende  freiwillige Helfer zum Bunker-Subbotnik.

Rund 65 Hektar Gelände ordnet man allerdings nicht an zwei Tagen. "Hier ist  Arbeit  ohne  Ende",  Hausmeister  Frank Führer weist auf Büsche und dünne  Stämmchen,  die  rund  um  die  Maybach-Bunker  wuchern.  "Alles nachgewachsen. Die Arbeit vom Winter ist zunichte."

Knapp 22 000 Besucher zählten die Bunkeranlagen im vergangenen Jahr. "Vor  allem  Engländer,  Schweden  und  die  Holländer  kommen,  um  die Bunker  zu  besichtigen",   erzählt  Werner  Borchert,   Geschäftsführer  der Bücherstadt  Tourismus  GmbH. Er hatte am Sonnabend viele Gruppen zu führen, konnte nicht an Subbotnik denken.


Zwischen Gastür und Motoren      von Gutrun Ott

Geschichte freigelegt beim 2. Subbotnik im Bunkerpark von Wünsdorf 

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Ein  bisschen  drückt  ihn  das  Gewissen,  dass die Männer und Frauen, 15 an der Zahl, da draußen im Regen ohne ihn arbeiten müssen. "Früher,  als die Familie noch in  Hellersdorf wohnte, da gab es für die Besten eine goldene Hausnummer.  Unser Aufgang gehörte dazu", erinnert er sich.

Auch  Werner  Leese  aus  Neuhof  hat  mit  seinen  73 Jahren schon an vielen Subbotniks teilgenommen. Er ist Mitglied im "Förderverein Garnisonsmuseum Wünsdorf" und findet es wichtig, "die Militärgeschichte aufzuarbeiten und den Menschen zugänglich zu machen".  Zum zweiten  Mal  ist  er  beim  Bunker-Subbotnik  dabei.  "Es  gibt Leute, die haben sich vorab sogar entschuldigt, dass sie diesmal nicht teil-nehmen  können.  So  etwas  gab  es  nicht mal in der DDR. " Werner Leese schmunzelt. Um ihn herum sind Rene´ Hube, Marion Reichert und Heinz Holzendorf mit dem Ausästen, mit Sägen und Zusammenharken beschäftigt. Aus Idealismus.

Dem  Neuhofer  Willi  Voss  hat  das  Wort  Subbotnik gefallen, darum hilft er mit. Auch wenn angesichts der riesigen Flächen, "die Aktion kaum  mehr  bringt,  als  der  berühmte  Tropfen auf dem heißen Stein." Gemeinsam mit Peter Reichardt schippt er einen Schützengraben frei.  Oder  ist  es  doch  ein  Splittergraben?  Die  Männer  prüfen  die  Verschalung und kommen zu dem Schluss, es müsse sich um eine frühere,  deutsche  Arbeit  handeln.  Olaf  Engels  sei  der Mann, der das genau bestimmen könne, heißt es. Der Potsdamer aber befindet sich  noch  tief  unter  der Erde. Im Nachrichtenbunker Zeppelin. Dort ziehen der Blankenfelder Jens Schmalenberger, ein Berliner und der Rangsdorfer  Volker  Ehrlich  vom  Rost zerfressenen Bunkerausrüstungen aus dem Schutt, denn einen Teil der Bunkeranlagen hatten die Russen  gesprengt.  Gastüren,  noch  von  der  deutschen  Wehrmacht  installiert,  russische  Motoren,  Schaltanlagen  mit  den  originalen Dokumenten werden sicher gestellt.