Es gehört zu den natürlichen Bedürfnissen des Menschen, dass er den öffentlichen Raum, in dem er lebt, in Ordnung und Sauberkeit sehen will - geschnittene Hecken, müllfreie Parkanlagen schmeicheln dem Auge, befördern positive Gefühle. Was man gemeinsam nutzt auch gemeinsam zu pflegen, daraus entstand weit im Osten, in der Sowjetunion der 30er Jahre, der Gedanke, sich am Sonnabend für drei Stunden zum Subbotnik zu treffen, um danach bei Tee und Wodka den geharkten Weg, die frisch-gestrichene Fassade zu bestaunen. Der Förderverein " Freunde der Bücherstadt Wünsdorf " lud am vergangenen Wochenende freiwillige Helfer zum Bunker-Subbotnik.
Rund 65 Hektar Gelände ordnet man allerdings nicht an zwei Tagen. "Hier ist Arbeit ohne Ende", Hausmeister Frank Führer weist auf Büsche und dünne Stämmchen, die rund um die Maybach-Bunker wuchern. "Alles nachgewachsen. Die Arbeit vom Winter ist zunichte."
Knapp 22 000 Besucher zählten die Bunkeranlagen im vergangenen Jahr. "Vor allem Engländer, Schweden und die Holländer kommen, um die Bunker zu besichtigen", erzählt Werner Borchert, Geschäftsführer der Bücherstadt Tourismus GmbH. Er hatte am Sonnabend viele Gruppen zu führen, konnte nicht an Subbotnik denken.
Zwischen
Gastür und Motoren
von Gutrun Ott
Geschichte freigelegt beim 2. Subbotnik im Bunkerpark von Wünsdorf


Dem Neuhofer Willi Voss hat das Wort Subbotnik gefallen, darum hilft er mit. Auch wenn angesichts der riesigen Flächen, "die Aktion kaum mehr bringt, als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein." Gemeinsam mit Peter Reichardt schippt er einen Schützengraben frei. Oder ist es doch ein Splittergraben? Die Männer prüfen die Verschalung und kommen zu dem Schluss, es müsse sich um eine frühere, deutsche Arbeit handeln. Olaf Engels sei der Mann, der das genau bestimmen könne, heißt es. Der Potsdamer aber befindet sich noch tief unter der Erde. Im Nachrichtenbunker Zeppelin. Dort ziehen der Blankenfelder Jens Schmalenberger, ein Berliner und der Rangsdorfer Volker Ehrlich vom Rost zerfressenen Bunkerausrüstungen aus dem Schutt, denn einen Teil der Bunkeranlagen hatten die Russen gesprengt. Gastüren, noch von der deutschen Wehrmacht installiert, russische Motoren, Schaltanlagen mit den originalen Dokumenten werden sicher gestellt.