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06.12.2005

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Andere Leute sammeln Briefmarken,  Münzen,  Zollstöcke  oder Zündholz-schachteln.  Justinian  Jampol sammelt alles,  was mit der DDR zu tun hat. Eigentlich  sammelt  der  junge  Mann  aus  Kalifornien  alles, was mit dem ehemaligen Ostblock in Verbindung steht, aber sein Schwerpunkt liegt auf der   DDR.   Mittlerweile   hat   der   27-jährige   Historiker  rund  50 000 (!) Gegenstände  vorwiegend  aus  der  DDR gesammelt, womit er schon ein ganzes Museum füllen kann und es seit einem Jahr auch tut.

Es  nennt  sich  "The Wende Museum"  und  beschäftigt sich mit der politi-schen Wende in Ostdeutschland und Osteuropa und deren Vorgeschichte. Hier befindet sich inzwischen die größte Sammlung von DDR-Gegenstän-den außerhalb Deutschlands.

Dabei  interessiert  sich Jampol weniger für die rein politische Geschichte des  Kalten Krieges als vielmehr für die gesellschaftliche Prozesse in Ost-europa  nach  dem  Zweiten Weltkrieg,  also wie sich das Alltagsleben der Menschen -  aus  seiner  Perspektive  -  hinter  dem  "Eisernen Vorhang" - dargestellt  hat. Und da sind ihm Alltagsgegenstände wie Spielzeuge oder Haushaltsgeräte   genauso   wichtig   wie   beispielsweise   die  komplette Sammlung des "Neuen Deutschland",  die er hierzulande erstehen konnte, oder andere Archive und Kunstwerke aus DDR-Zeiten.


"The Wende Museum" sucht Partner             von Hartmut F. Reck

Ausstellung in Los Angeles besitzt schon 50 000 Gegenstände / Direktor zu Gast in Wünsdorf

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Justinan  Jampols  Sammlung  wächst  ständig.  Zunächst  hatte  er  eine  nicht  unerhebliche  Summe  aus  der Hinterlassenschaft seines Großvaters  in  sein  Hobby  investiert  (und  auf  gebraucht),  inzwischen  wird  er  von  Stiftungen  unterstützt,  die  sich von der bisherigen Sammlung und deren Aufarbeitung beeindrucken und überzeugen ließen.

Dabei  regt  sich  auch  Kritik. So wird Jampol vor allem von deutscher Seite vorgeworfen, dass fast alles, was er gesammelt hat, schon in Deutschland  dokumentiert  sei.  Doch  das  ficht  Jampol  nicht  an.  Schließlich  ist es seiner Sammelleidenschaft zu verdanken, wichtige Dokumente  und  Gegenstände  vor  der  Müllkippe  gerettet  und  konserviert  zu  haben.  Und  das wird nun in den USA ausgestellt für ein Publikum, das mit der Geschichte der Menschen in Ostdeutschland nicht so vertraut ist wie diese es selber sind.

Nun  sucht  Artefaktensammler,  Historiker  und  Museumsdirektor  Justinian Jampol, der nebenbei noch an der englischen Eliteuniversität Oxford  in  nachkriegsdeutscher  Geschichte  promoviert, nach weiteren Partnern in Deutschland. Auf dieser Suche war er nun auch in der Bücherstadt  Wünsdorf  zu  Besuch,  um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten. Begleitet wurde er vom deutschen Historiker Wilfried Beer, der Jampol beim Auffinden von interessanten Objekten hilft, und von Diana Prinzessin von Sachsen, der Gattin des Wettinerprinzen Rüdiger von Sachsen, des Urenkels des letzten sächsischen Königs. Auch sie unterstützt und begleitet Jampols Bemühungen.

Bücherstadt-Geschäftsführer  Werner  Borchert  führte  seine  Gäste  durchs  Garnisonsmuseum, die Bunker und die Ausstellung über das Leben  der  sowjetischen Soldaten in Wünsdorf. Die Idee seines amerikanischen Kollegen ist es, im Raum Berlin ein Museum des Kalten Krieges  zu  gründen.  Jedenfalls  sucht  er  zunächst  Lager-,  Büro-  und  Ausstellungsräume,  um der Verwirklichung seiner Idee näher zu kommen. Dazu besuchte er aber auch noch andere Museen in Brandenburg.

Bücherstadt-Chef  Werner Borchert zeigt dem amerikanischen Muse-umsgründer  Justinian  Jampol (l.)  sowjetische Nachrichtentechnik in der  Ausstellung  "Russischer Soldatenalltag"   FOTO: K. SCHLAGE