Andere Leute sammeln Briefmarken, Münzen, Zollstöcke oder Zündholz-schachteln. Justinian Jampol sammelt alles, was mit der DDR zu tun hat. Eigentlich sammelt der junge Mann aus Kalifornien alles, was mit dem ehemaligen Ostblock in Verbindung steht, aber sein Schwerpunkt liegt auf der DDR. Mittlerweile hat der 27-jährige Historiker rund 50 000 (!) Gegenstände vorwiegend aus der DDR gesammelt, womit er schon ein ganzes Museum füllen kann und es seit einem Jahr auch tut.
Es nennt sich "The Wende Museum" und beschäftigt sich mit der politi-schen Wende in Ostdeutschland und Osteuropa und deren Vorgeschichte. Hier befindet sich inzwischen die größte Sammlung von DDR-Gegenstän-den außerhalb Deutschlands.
Dabei
interessiert sich Jampol weniger für die rein politische
Geschichte des Kalten Krieges als vielmehr für die gesellschaftliche
Prozesse in Ost-europa nach dem Zweiten Weltkrieg, also
wie sich das Alltagsleben der Menschen - aus seiner Perspektive
- hinter dem "Eisernen Vorhang" - dargestellt
hat. Und da sind ihm Alltagsgegenstände wie Spielzeuge oder Haushaltsgeräte
genauso wichtig wie beispielsweise
die komplette Sammlung des "Neuen Deutschland",
die er hierzulande erstehen konnte, oder andere Archive und Kunstwerke
aus DDR-Zeiten.
"The
Wende Museum" sucht Partner
von Hartmut F. Reck
Ausstellung in Los Angeles besitzt schon 50 000 Gegenstände / Direktor zu Gast in Wünsdorf


Dabei regt sich auch Kritik. So wird Jampol vor allem von deutscher Seite vorgeworfen, dass fast alles, was er gesammelt hat, schon in Deutschland dokumentiert sei. Doch das ficht Jampol nicht an. Schließlich ist es seiner Sammelleidenschaft zu verdanken, wichtige Dokumente und Gegenstände vor der Müllkippe gerettet und konserviert zu haben. Und das wird nun in den USA ausgestellt für ein Publikum, das mit der Geschichte der Menschen in Ostdeutschland nicht so vertraut ist wie diese es selber sind.
Nun sucht Artefaktensammler, Historiker und Museumsdirektor Justinian Jampol, der nebenbei noch an der englischen Eliteuniversität Oxford in nachkriegsdeutscher Geschichte promoviert, nach weiteren Partnern in Deutschland. Auf dieser Suche war er nun auch in der Bücherstadt Wünsdorf zu Besuch, um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten. Begleitet wurde er vom deutschen Historiker Wilfried Beer, der Jampol beim Auffinden von interessanten Objekten hilft, und von Diana Prinzessin von Sachsen, der Gattin des Wettinerprinzen Rüdiger von Sachsen, des Urenkels des letzten sächsischen Königs. Auch sie unterstützt und begleitet Jampols Bemühungen.
Bücherstadt-Geschäftsführer Werner Borchert führte seine Gäste durchs Garnisonsmuseum, die Bunker und die Ausstellung über das Leben der sowjetischen Soldaten in Wünsdorf. Die Idee seines amerikanischen Kollegen ist es, im Raum Berlin ein Museum des Kalten Krieges zu gründen. Jedenfalls sucht er zunächst Lager-, Büro- und Ausstellungsräume, um der Verwirklichung seiner Idee näher zu kommen. Dazu besuchte er aber auch noch andere Museen in Brandenburg.
Bücherstadt-Chef Werner Borchert zeigt dem amerikanischen Muse-umsgründer Justinian Jampol (l.) sowjetische Nachrichtentechnik in der Ausstellung "Russischer Soldatenalltag" FOTO: K. SCHLAGE