
Die Wünsdorfer Bücherstadt ist um eine Attraktion reicher. Ein Ein-Mann-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg steht seit gestern vor dem Eingang zum früheren Russen-Gelände. Das Ungetüm aus Stahlbeton erinnert an eine riesige Zigarre oder einen spitzen Bleistift im Großformat. Es hat einen Einstieg mit Luke. Die unheimlich wirkenden kleinen Sehschlitze erinnern an die unheilvolle Vergangenheit.
"Im Krieg diente der Bunker als Beobachtungspunkt für Luftwarte", erklärte Bücherstadt-Chef Werner Borchert. Bei Fliegerangriffen konnte von ihm aus gezielt die Feuerwehr alarmiert werden, so der Manager. Die mächtigen Wände der zweieinhalb Meter hohen Betonröhre sind 26 Zentimeter dick.
Bauleute hatten den Bunker im Sommer vergangenen Jahres bei Schachtarbeiten in Luckenwalde gefunden (MAZ berichtete). Weder der Denkmalschutz noch die Archäologen zeigten Interesse an dem Koloss. Dafür aber zahlreiche Museen und Vereine. "Die Bücherstadt hat sich zuerst gemeldet, deshalb hat sie den Zuschlag bekommen", sagt Bau-unternehmer Wolfgang Gramer. Er ließ es sich nicht nehmen, gestern beim Aufstellen des rund sechseinhalb Tonnen schweren Ungetüms in Wünsdorf dabei zu sein.
Für Fahrer Sven Spieler war das Abladen scheinbar Routine. Ganz langsam ließ er den Kran den Betonbrocken vom Lastwagen herunter-heben und richtete ihn dann mittels Stahlseilen und Hubarmen vorsichtig auf. "Transportiert habe ich so einen Bunker allerdings noch nicht", sagt er. Normalerweise fährt Spieler mit seinem Brummi ganz gewöhnlichen Bauschutt. Dafür hatte Wolfgang Gramer den Unterstand auch erst gehalten. "Dann haben wir weiter gebuddelt und gesehen, worum es sich handelt", erinnert er sich.
Jetzt wird der Bunker erst einmal gereinigt. "Wir schippen den Sand raus und machen ihn von innen und außen richtig sauber", kündigt Werner Borchert an. Eine Schautafel soll Besuchern dann künftig erklären, worum es sich bei dem Riesenbleistift handelt. An seinem Standort beginnen und enden die Führungen durch den Bunkerpark. "Da haben wir ein markan-tes Wahrzeichen bekommen", so Borchert.
Zigarre
aus Beton Von
Hermann M. Schröder
Ein-Mann-Bunker in der Wünsdorfer
Bücherstadt aufgestellt

