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19.01.2006

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Die  Wünsdorfer Bücherstadt ist um eine Attraktion reicher. Ein Ein-Mann-Bunker  aus  dem  Zweiten  Weltkrieg  steht  seit gestern vor dem Eingang zum  früheren  Russen-Gelände.  Das Ungetüm aus Stahlbeton erinnert an eine  riesige  Zigarre  oder  einen  spitzen  Bleistift  im Großformat. Es hat einen  Einstieg  mit  Luke.  Die  unheimlich  wirkenden kleinen Sehschlitze erinnern an die unheilvolle Vergangenheit.

"Im   Krieg   diente   der   Bunker   als  Beobachtungspunkt  für  Luftwarte", erklärte  Bücherstadt-Chef  Werner  Borchert.  Bei Fliegerangriffen konnte von ihm aus gezielt die Feuerwehr alarmiert werden, so der Manager. Die mächtigen   Wände   der   zweieinhalb  Meter  hohen  Betonröhre  sind  26 Zentimeter dick.

Bauleute   hatten   den   Bunker   im   Sommer   vergangenen   Jahres  bei Schachtarbeiten  in  Luckenwalde  gefunden (MAZ berichtete). Weder der Denkmalschutz  noch  die  Archäologen  zeigten Interesse an dem Koloss. Dafür  aber  zahlreiche  Museen  und  Vereine.  "Die  Bücherstadt hat sich zuerst  gemeldet,  deshalb  hat  sie  den  Zuschlag bekommen", sagt Bau-unternehmer  Wolfgang  Gramer.  Er  ließ  es  sich  nicht  nehmen, gestern beim  Aufstellen  des  rund  sechseinhalb  Tonnen  schweren  Ungetüms in Wünsdorf dabei zu sein.

Für   Fahrer   Sven  Spieler  war  das  Abladen  scheinbar  Routine.   Ganz langsam  ließ  er  den  Kran  den  Betonbrocken vom Lastwagen herunter-heben  und  richtete  ihn  dann mittels Stahlseilen und Hubarmen vorsichtig auf.  "Transportiert  habe  ich  so einen Bunker allerdings noch nicht", sagt er.  Normalerweise  fährt  Spieler  mit  seinem Brummi ganz gewöhnlichen Bauschutt.   Dafür   hatte   Wolfgang   Gramer   den  Unterstand  auch  erst gehalten.  "Dann  haben wir weiter gebuddelt und gesehen, worum es sich handelt", erinnert er sich.

Jetzt  wird  der  Bunker  erst  einmal  gereinigt.  "Wir  schippen  den  Sand raus und machen ihn von innen und außen richtig sauber",  kündigt Werner Borchert an.  Eine Schautafel soll Besuchern dann künftig erklären, worum es sich bei dem Riesenbleistift handelt. An seinem Standort beginnen und enden  die  Führungen  durch den Bunkerpark. "Da haben wir ein markan-tes Wahrzeichen bekommen", so Borchert.


Zigarre aus Beton                               Von Hermann M. Schröder        
Ein-Mann-Bunker in der Wünsdorfer Bücherstadt aufgestellt

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Fotos: S. Metzner - Wünsdorf
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