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13.02.2006

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Ganz  still  war  es  am  Freitagabend im Gutenberghaus in der Waldstadt, als  ein  Fernsehinterview mit Frithjof Banisch, dem einstigen Stellvertreter vom  Chef  des  Stabes  der  DDR - Grenztruppen  und  letztem  Chef  des Grenzschutzes  über  die  Leinwand  flimmerte.  Mit  ruhiger, tiefer Stimme beantwortete er Fragen zum Grenzregime der DDR und den Mauerfall.  Im November  2004 waren von dem 75-minütigen Gespräch 90 Sekunden im ZDF  ausgestrahlt  worden,   Autor  Henry  Köhler  sagte,  das  sei  für  den Sender viel gewesen.

"Ich  bin  sehr  beeindruckt  von  dem  Interview.  Ich  habe  selbst zu DDR-Zeiten  gedient,   die  Situation  ist  sachlich  und  korrekt  dargestellt.   Die klaren,  offenen  Antworten  haben  mir  imponiert", urteilte ein Zuhörer des militärgeschichtlichen  Abends  über  die  lange Version des Interviews. Er erhielt für seine Worte viel Zustimmung.

Rolf Holland,  selbst  Offizier  bei  den  Grenzern,   wollte  vom  ehemaligen Oberst  Banisch  allerdings  wissen,  warum  die Mikrofilme mit den Daten der  Grenztruppen  nicht  vernichtet  wurden  zu einer Zeit, als klar war: Die DDR  geht  den  Bach  runter.  Dem  damaligen Gegner seien Dokumente ausgehändigt, durch die viele Grenzer Schwierigkeiten bekommen hätten.

Frithjof Banisch reagierte überzeugend:  "Am 19. Dezember hatten wir ein internes Gespräch in der Führungsebene.  Dabei ging es darum, was wird aus  dem  Archiv der Grenztruppen ? Ich sprach mich dafür aus, die Daten zu  erhalten.  Wir  wussten  von  der Erfassungsstelle Salzgitter. Jedes tote Reh  an  der  Grenze,  jede  Kleinigkeit  wäre  uns  angelastet worden. Wir müssen uns aber nicht verstecken,  durch die Dokumente können die ehe-maligen DDR-Grenzer belegen, was damals wirklich geschehen war."

Mit  dieser  Argumentation  schloss  er  an  den  Titel  der Sendung und an seinen   Lebensgrundsatz   an,   der   da   heißt:   "Jeder   sollte   zu  seiner Geschichte  stehen."  Banisch  lebt  diesen  Grundsatz. "Das Grenzregime reduziert   sich  nicht  auf  Maueropfer,  Todesschüsse,  Schießbefehl  und dergleichen.  Wir  hatten  ganz  andere, weitreichende Aufgaben", versich-erte Banisch.

Im  Interview  ging  er  auf  die  damalige  Situation  in  der  DDR  ein,  hob wiederholt  hervor,  dass  er  stolz  auf  die Grenztruppen gewesen sei, die besonnen  auf  die  Ereignisse  rings um die Maueröffnung reagiert hätten, stolz  vor  allem  darauf,  dass es in kritischen Situationen im Herbst '89 zu keinem  Schusswaffengebrauch  gekommen  sei.  Er  charakterisierte  die deutsch - deutsche  Grenze  als  eine  Trennungslinie zwischen den dama-ligen Paktsystemen,  das habe eben Aufgaben mit sich gebracht, die weit über   die   normale   Grenzsicherung   hinausgegangen  seien.  Er  sprach beispielsweise   über   Aufklärungsarbeiten   bis  30  Kilometer  hinter  der Staatsgrenze.  Oberst  a.D.  Banisch  berichtete  auch  davon, dass es vor und  nach  dem  Mauerfall  Absprachen  zwischen den Führungsstellen der Grenzen Ost und West gegeben habe.

15  Jahre  habe  der  ehemalige  Stabsoffizier  gewartet,  bis er dem stän-digen  Drängen  von  Journalisten  nach  einem  Interview  nachgekommen war.  "Die Zeit war zuvor noch nicht reif dafür", erklärte er. Letzte Frage im TV-Interview: "Was ist für sie die wichtigste Erkenntnis nach der Einheit ?" Banisch:  "Ich  hatte  das  große  Glück,  nach einem Weltkrieg geboren zu werden und ich hoffe, vor einem Krieg sterben zu können."


Dokumente durfte keiner vernichten                                                         von REINHARD BUTZEK 
Militärgeschichte mit Frithjof Banisch

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Fotos 1 und 5:   S. Metzner - Wünsdorf
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