
Ganz still war es am Freitagabend im Gutenberghaus in der Waldstadt, als ein Fernsehinterview mit Frithjof Banisch, dem einstigen Stellvertreter vom Chef des Stabes der DDR - Grenztruppen und letztem Chef des Grenzschutzes über die Leinwand flimmerte. Mit ruhiger, tiefer Stimme beantwortete er Fragen zum Grenzregime der DDR und den Mauerfall. Im November 2004 waren von dem 75-minütigen Gespräch 90 Sekunden im ZDF ausgestrahlt worden, Autor Henry Köhler sagte, das sei für den Sender viel gewesen.
"Ich bin sehr beeindruckt von dem Interview. Ich habe selbst zu DDR-Zeiten gedient, die Situation ist sachlich und korrekt dargestellt. Die klaren, offenen Antworten haben mir imponiert", urteilte ein Zuhörer des militärgeschichtlichen Abends über die lange Version des Interviews. Er erhielt für seine Worte viel Zustimmung.
Rolf Holland, selbst Offizier bei den Grenzern, wollte vom ehemaligen Oberst Banisch allerdings wissen, warum die Mikrofilme mit den Daten der Grenztruppen nicht vernichtet wurden zu einer Zeit, als klar war: Die DDR geht den Bach runter. Dem damaligen Gegner seien Dokumente ausgehändigt, durch die viele Grenzer Schwierigkeiten bekommen hätten.
Frithjof
Banisch reagierte überzeugend: "Am 19. Dezember hatten wir
ein internes Gespräch in der Führungsebene. Dabei ging es
darum, was wird aus dem Archiv der Grenztruppen ? Ich sprach
mich dafür aus, die Daten zu erhalten. Wir wussten
von der Erfassungsstelle Salzgitter. Jedes tote Reh an der
Grenze, jede Kleinigkeit wäre uns angelastet
worden. Wir müssen uns aber nicht verstecken, durch die Dokumente
können die ehe-maligen DDR-Grenzer belegen, was damals wirklich geschehen
war."
Mit dieser Argumentation schloss
er an den Titel der Sendung und an seinen Lebensgrundsatz
an, der da heißt:
"Jeder sollte zu seiner Geschichte stehen."
Banisch lebt diesen Grundsatz. "Das Grenzregime
reduziert sich nicht auf Maueropfer, Todesschüsse,
Schießbefehl und dergleichen. Wir hatten ganz
andere, weitreichende Aufgaben", versich-erte Banisch.
Im Interview ging er auf die damalige Situation in der DDR ein, hob wiederholt hervor, dass er stolz auf die Grenztruppen gewesen sei, die besonnen auf die Ereignisse rings um die Maueröffnung reagiert hätten, stolz vor allem darauf, dass es in kritischen Situationen im Herbst '89 zu keinem Schusswaffengebrauch gekommen sei. Er charakterisierte die deutsch - deutsche Grenze als eine Trennungslinie zwischen den dama-ligen Paktsystemen, das habe eben Aufgaben mit sich gebracht, die weit über die normale Grenzsicherung hinausgegangen seien. Er sprach beispielsweise über Aufklärungsarbeiten bis 30 Kilometer hinter der Staatsgrenze. Oberst a.D. Banisch berichtete auch davon, dass es vor und nach dem Mauerfall Absprachen zwischen den Führungsstellen der Grenzen Ost und West gegeben habe.
15 Jahre
habe der ehemalige Stabsoffizier gewartet,
bis er dem stän-digen Drängen von Journalisten
nach einem Interview nachgekommen war. "Die Zeit
war zuvor noch nicht reif dafür", erklärte er. Letzte Frage
im TV-Interview: "Was ist für sie die wichtigste Erkenntnis nach
der Einheit ?" Banisch: "Ich hatte das große
Glück, nach einem Weltkrieg geboren zu werden und ich hoffe,
vor einem Krieg sterben zu können."
Dokumente
durfte keiner vernichten von
REINHARD BUTZEK
Militärgeschichte mit Frithjof
Banisch




