
Fünf Euro musste berappen, wer eintauchen wollte in die vergangene Welt der Militärs. Es war das erste große Militärfahrzeugtreffen im Bunkerpark. Und trotz des verregneten Wochenendes ein ziemlicher Erfolg. "Bereits am Sonnabendvormittag hatten wir 300 Besucher", so Werner Borchert, Geschäftsführer der Bücherstadt -Tourismus GmbH.
Jeeps, Mannschaftswagen und Motorräder gab es zu bestaunen. Fahrzeugparaden mit Tatra, Ural, AUS, GAS 69, Robor, MB, W50, G5, P3 Kübel und LO wälzten sich, schwarzen Rauch ausstoßend, über die vom Regen aufgeweichten Wege. Ein bisschen Erinnerung an die Zeit des Kalten Krieges, aber auch an die Jahre davor.
Der Jeep MB beispielsweise, war noch in der Normandie dabei. Ein Mann von kräftiger Statur, bekleidet mit amerikanischer Fliegerjacke, klettert aus dem Geländewagen. "He Ami!", wird gerufen. Ein Major der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA) nähert sich strahlend. Man kennt sich. Aus England. Da fand 2005 das größte Militärfahrzeug-treffen Europas statt. In diesem Jahr noch geht es Ende Juli nach Polen.
Das Irre sei die wahnsinnige Kameradschaft, meint jemand und fügt hinzu: "Es ist doch besser, ein Bier miteinander zu trinken, als aufeinander zu schießen."
Der Ami
entpuppt sich als Dietrich Wilde. Der war, als der Krieg zu Ende ging,
noch ein Kind. Aus dem Jeep MB heraus
habe er damals seinen ersten Kaugummi bekommen, erzählt er. Die
Enttäuschung war allerdings groß. Er kannte keine
Kaugummis und habe das kostbare Stück
zum Erstaunen der GIs einfach heruntergeschluckt.
Der vermeintliche Bomberpilot ist ebenso wenig echt
wie sein Gegen- über, der Major der
Landstreitkräfte, Gerhard Junge. Der Mechaniker-meister
hat es in der NVA nur bis zum
Unteroffizier gebracht. Gerhard Junge war 1971 schon
mal in der Wünsdorfer Gegend. Er
sei jetzt gekommen, um zu gucken, ob es
noch Manöverschäden gäbe, scherzt der Besitzer eines
P3-Kübel aus NVA-Beständen.
Als zwei australische Touristen auftauchen, wird er um ein gemeinsames Foto gebeten. Für die Freunde zu Hause. "Die werden gucken. Ich und ein General der ostdeutschen Armee." Der junge Mann mit dem weiten Weg, wie er betont, strahlt über das ganze Gesicht. Aber das Treffen machte nicht nur ehemaligen Militärs und australischen Touristen gute Laune.
Ein Blankenfelder Ehepaar mittleren Alters kam wegen der Erinnerungen nach Wünsdorf. "Die Fahrzeuge hier haben dem Erhalt des Friedens gedient", sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Kaum war das sozialistische Lager verschwunden, da brannte es an allen Ecken der Welt."
Drei ehemalige Fallschirmjäger aus Frankfurt an der Oder tragen ihre eigenen, früheren Uniformen. Sie sehen sich auf dem Platz nach Ersatz-teilen um. Für einen holländischen Kameraden wollen sie ein altes Militärmotorrad aufbauen. Auch Mario Scheunemann wird bei den Händlern fündig. Der Wünsdorfer ergattert ein restauriertes Leitrad für seinen Jagdpanzer Hetzer.
Und während die Militärfahrzeuge die knapp zehn Kilometer des befahr-baren Geländes im Bunkerpark erkunden, steht der achtjährige Leon aus Brandenburg, mit echtem Stahlhelm, Tarnjacke und Holzgewehr ausge-rüstet, und nimmt die Parade ab. Dann ruft er den anderen Kindern zu: "Kann der Krieg jetzt losgehen !?"
Der Stahlhelm
ist ein Weihnachtsgeschenk von seinem Papa, erzählt er stolz.
Und Papa ist Polizist.
Informationen
zum nächsten Treffen unter Tel.: 033702-9600
Echte
Jeeps - falsche Generäle von
Gudrun Ott
Am Wochenende
erstes Militärfahrzeugtreffen in Wünsdorf






