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27.03.2006

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Fünf  Euro  musste  berappen,  wer  eintauchen  wollte  in  die vergangene Welt   der   Militärs.   Es   war   das  erste  große  Militärfahrzeugtreffen  im Bunkerpark.   Und   trotz   des  verregneten  Wochenendes  ein  ziemlicher Erfolg.  "Bereits  am  Sonnabendvormittag  hatten  wir  300  Besucher", so Werner  Borchert,  Geschäftsführer  der  Bücherstadt -Tourismus  GmbH.

Jeeps,    Mannschaftswagen    und   Motorräder   gab   es   zu   bestaunen. Fahrzeugparaden  mit  Tatra,  Ural,  AUS,  GAS 69, Robor, MB, W50, G5, P3  Kübel  und  LO  wälzten  sich,  schwarzen Rauch ausstoßend, über die vom  Regen  aufgeweichten  Wege.  Ein  bisschen  Erinnerung an die Zeit des Kalten Krieges, aber auch an die Jahre davor.

Der  Jeep  MB  beispielsweise,  war  noch  in  der  Normandie  dabei. Ein Mann   von  kräftiger  Statur,  bekleidet  mit  amerikanischer  Fliegerjacke, klettert  aus  dem  Geländewagen.  "He Ami!", wird gerufen. Ein Major der Landstreitkräfte  der  Nationalen Volksarmee (NVA) nähert sich strahlend. Man  kennt  sich.  Aus England.  Da fand 2005 das größte Militärfahrzeug-treffen  Europas  statt.  In  diesem Jahr noch geht es Ende Juli nach Polen.

Das Irre sei die wahnsinnige Kameradschaft, meint jemand und fügt hinzu: "Es  ist  doch  besser,  ein  Bier  miteinander zu trinken, als aufeinander zu schießen."

Der  Ami  entpuppt sich als Dietrich Wilde. Der war, als der Krieg zu Ende ging,  noch  ein  Kind.  Aus  dem  Jeep MB heraus habe er damals seinen ersten Kaugummi bekommen, erzählt er.  Die Enttäuschung war allerdings groß.  Er  kannte  keine  Kaugummis  und  habe  das  kostbare  Stück zum Erstaunen der GIs einfach heruntergeschluckt.

Der  vermeintliche  Bomberpilot  ist ebenso  wenig  echt  wie  sein Gegen- über,  der  Major  der  Landstreitkräfte,  Gerhard  Junge.  Der Mechaniker-meister  hat  es  in  der  NVA  nur  bis  zum Unteroffizier gebracht. Gerhard Junge   war   1971   schon   mal  in  der Wünsdorfer  Gegend.  Er  sei  jetzt gekommen,  um  zu  gucken,  ob  es  noch Manöverschäden gäbe, scherzt der Besitzer eines P3-Kübel aus NVA-Beständen.

Als  zwei  australische Touristen auftauchen, wird er um ein gemeinsames Foto gebeten. Für die Freunde zu Hause. "Die werden gucken. Ich und ein General  der ostdeutschen Armee." Der junge Mann mit dem weiten Weg, wie  er  betont,  strahlt  über  das  ganze Gesicht. Aber das Treffen machte nicht   nur  ehemaligen  Militärs  und  australischen  Touristen  gute  Laune.

Ein  Blankenfelder  Ehepaar mittleren Alters kam wegen der Erinnerungen nach  Wünsdorf.  "Die  Fahrzeuge  hier  haben  dem  Erhalt  des  Friedens gedient",  sagt  der  Mann,  der  seinen  Namen  nicht  in der Zeitung lesen möchte.  "Kaum  war  das  sozialistische Lager verschwunden, da brannte es an allen Ecken der Welt."

Drei  ehemalige  Fallschirmjäger  aus  Frankfurt  an  der  Oder  tragen ihre eigenen,  früheren  Uniformen.  Sie  sehen sich auf dem Platz nach Ersatz-teilen   um.   Für   einen   holländischen   Kameraden  wollen  sie  ein  altes Militärmotorrad   aufbauen.   Auch   Mario   Scheunemann   wird   bei   den Händlern  fündig.  Der  Wünsdorfer  ergattert  ein  restauriertes  Leitrad für seinen Jagdpanzer Hetzer.

Und  während  die  Militärfahrzeuge die knapp zehn Kilometer des befahr-baren  Geländes  im Bunkerpark erkunden, steht der achtjährige Leon aus Brandenburg,  mit  echtem  Stahlhelm,  Tarnjacke  und Holzgewehr ausge-rüstet,  und  nimmt  die  Parade ab.  Dann  ruft  er den anderen Kindern zu: "Kann der Krieg jetzt losgehen !?"

Der  Stahlhelm  ist  ein  Weihnachtsgeschenk von seinem Papa, erzählt er stolz.  Und Papa ist Polizist.

Informationen zum nächsten Treffen unter Tel.: 033702-9600


Echte Jeeps - falsche Generäle                                                                 von Gudrun Ott
Am Wochenende erstes Militärfahrzeugtreffen in Wünsdorf

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Foto: GUDRUN OTT
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Alte "Bekannte" trafen sich am Wochenende in Wünsdorf. Allerdings waren der NVA-Offizier ebenso unecht wie der amerikanische GI.
3 x Foto: D. Steinberg