
Im Kaiserreich war es ein Pferdestall, zu DDR-Zeiten Lagerraum für die in Wünsdorf stationierten Russen. Danach stand das Gebäude zehn Jahre leer, bis der Förderverein Freunde der Bücherstadt Wünsdorf den inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Stall als Konzertraum entdeckte, auch Bücher darin anbot und ihn deshalb "Bücherstall" taufte. Doch es blieb ein Provisorium mit Asbestdach, maroden Deckenbalken, kaputten Fenstern, ohne Strom und Toiletten. Seit Montag ist die Sanierung dieses historischen Bauwerks im Gange.
Der Gesellschafter der Bücherstadt -Tourismus GmbH und Bauunter-nehmer Gerhard Gollan will es für rund 140 000 Euro in Schuss bringen. Neue Deckenbalken sind nötig, das Dach muss teilweise neu geschalt und vollständig anders gedeckt werden. Etliche Stützpfeiler sind nicht mehr zu gebrauchen, und frischen Putz erhält der einstige Pferdestall auch. Als Stall wird er aber auch weiterhin erkennbar sein. So müssen die Oberlichter - die aus insgesamt 560 kleinen Scheiben bestehen - wieder in den historischen Zustand versetzt werden. Der Bau mit einer Grund-fläche von 600 Quadratmetern wird drei Toiletten, Anschlüsse für Strom, Telefon, Heizung, Wasser und Abwasser erhalten.
Gerhard Gollan hat alle Aufträge an regionale Firmen vergeben. Lediglich die Restaurierung des Giebelfensters übernimmt ein Fachmann aus seiner in Schleswig-Holstein beheimateten Gollan GmbH.
"Ich bin ungeduldig. Es muss was zu sehen sein, es muss Leben rein in die Waldstadt Wünsdorf, damit Investoren kommen und mehr Einwohner. Deshalb ist es ärgerlich, dass der Kreis fast elf Monate für die Baugeneh-migung brauchte", sagt der 79-Jährige.
Möglicherweise zieht ja sogar das kreisliche Museum des Teltow einmal in den sanierten Pferdestall. Eine Entscheidung über den zur Diskussion stehenden Umzug aus der Schulstraße in die Waldstadt ist noch nicht gefallen.
Bis dahin wird der Förderverein der Freunde der Bücherstadt den vorderen Teil des Hauses auf alle Fälle weiter für Veranstaltungen nutzen, wie Vereinsvorsitzender Werner Borchert sagt - allerdings gegen einen Mietpreis.
"Es
muss was zu sehen sein"
von GUDRUN SCHENK
Bauunternehmer
Gollan saniert historischen Pferdestall in der Bücherstadt

Foto S/W:
K.
SCHLAGE
Fotos
Farbe:
S. METZNER


