
Der Bunkerpark in Zossen umfasst eine Fläche von rund 50 Hektar. Wurden vor dem Zweiten Weltkrieg die Bunkeranlagen Maybach I und II sowie der Fernmeldebunker Zeppelin als die ersten Eisenbetonbauten in Rekordzeit auf dem einstigen Kaiserlichen Stammlager Zossen gebaut, so dienten sie nach Kriegsausbruch dem Oberkommando des Heeres als Zentrum für militärische Planungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier die 16. Luftarmee der Sowjetarmee mit ihrer Führung stationiert. Ein Terrain, das zunehmend Militär- und Hobbyhistoriker aus ganz Europa anzieht.
"Ich wusste überhaupt nicht, dass in Wünsdorf die Nachrichtenzentrale der Wehrmacht und später der Russen war. Dabei bin ich militärhistorisch sehr interessiert und kenne auch schon andere Bunker, vor allem in Berlin", staunte Iwan Schrada aus Berlin-Schöneberg. Er gehörte zu rund 40 Besuchern, die sich kürzlich zu einer zweistündigen Nachtführung durch die Bunkerwelt von Wünsdorf um 22 Uhr in der Bücherstadt auf den Weg machten. Ausgerüstet mit leistungsstarken Taschenlampen begaben sich die Bunker-Fans unter der Führung von Werner Borchert von der Bücher-stadt-Toruismus GmbH zu den Ruinen der Maybach-Anlage.
23 Bunker waren hier einst durch Wohnhäuser perfekt getarnt. Im Schein der Taschenlampen ragten die Reste wie gespenstische Gerippe in den Nachthimmel. Weiteres Ziel: der nahezu unbeschädigte Nachrichten-bunker Zeppelin.
In Pfadfindermanier streiften die Besucher zwischen 9 und 69 Jahren zu nächtlicher Stunde durch Gebäudereste und Bunkergänge, während Werner Borchert über die Geschichte der "Geheimen Stadt" bei Zossen informierte. "Sie war mit einer 17 Kilometer langen Betonmauer bis 1994 von der Öffentlichkeit streng abgeschirmt. 35 000 bis 40 000 Russen waren auf diesem knapp 100 Jahre militärisch genutzten Gelände nach dem Zweiten Weltkrieg stationiert", so Borchert, der auch über die friedliche Nutzung und die "Konversion" in den 90er Jahren sprach und auf den 40-prozentigen Wohnungsleerstand in der zum Großteil sanierten Anlage aufmerksam machte.
Doch die Besuchergruppe, der auch Briten und Schweizer angehörten, zog es bei über 30 Grad Außentemperatur schnell in die zehn Grad kühle und noch immer faszinierende Bunkerwelt unter der Erde. Die Spannung stieg auf dem Weg zur 20 Meter tiefen Bunkersohle von "Zeppelin" und in den über 200 Meter langen Verbindungstollen. "Die Bunker waren mit den zivil bewohnten Mehrfamilienhäusern der Maybachsiedlung getarnt", erklärte Borchert an Hand von wenig erhaltenen Fotodokumenten aus den 40er Jahren. Wurden die Bauten über der Erde bei einem Luftangriff am 15.März 1945, bei dem 120 Zivilisten den Tod fanden, stark beschädigt und 1946/1947 von den sowjetischen Besatzungstruppen gesprengt, so blieb vor allem der Nachrichtenbunker "Zeppelin aufgrund der Sandwich-Bauweise im Boden fast unbeschädigt. "Wir wissen auch nicht, wie die Russen gesprengt haben. Sprenglöcher kann man heute noch sehen und an einigen Stellen knirscht e s schon", so Borchert, der die nächtliche Spannung noch anheizte.
Neben dem Nachrichtenbunker Zeppelin" wurde der sowjetische Bunker UK 20, der in den 80er Jahren neu gebaut wurde, bis zum Abzug der Sowjetarmee 1994 das "Heiligtum der 16. Luftarmee". Den Weg in die Tiefe, der mit Taschenlampen beleuchtet wurde, fand vor allem der neunjährige John Boock aus Schenkendorf ungeheuer spannend. Er nutzte mit Geraldine Firley aus Zeesen die Gelegenheit des "Ausschwär-mens" gegen 23 Uhr in dunkle Räume und Nischen, an deren Wände noch kyrillische Schriftzüge zu sehen ist.
"In
den 60er Jahren haben die Russen versucht, den Bunker A-B-C sicher zu
machen und vor dem Haupteingang
ein Schleusensystem gesetzt. Später wurde auch
ein U-Boot-Dieselmotor zur Erzeugung von Notstrom gebaut",
erfuhren die Nachtwanderer über Details in diesem 3-etagigen
Bau unter der Erde. Allein der Bunker
Zeppelin habe bei seinem zwei Jahre währenden
Bau 40 Millionen Reichsmark gekostet.
Er sei mit 14700 Quadratmetern so
groß wie drei Fußballfelder,
so Borchert. Zwischen 1939 und 1945 diente
er unter anderem der Fernschreib- und Fernsprechvermittlung und
war mit modernsten Anlagen wie der auto--matischen
Telefonvermittlung ausgestattet.
Bunker
bei Nacht
Wanderung mit Taschenlampe durch dunkle
Gänge einer ehemals geheimen Stadt

Fotos:
S.
Metzner
Wünsdorf




