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03.08.2006

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Der   Bunkerpark  in  Zossen  umfasst  eine  Fläche  von  rund  50  Hektar. Wurden  vor  dem  Zweiten  Weltkrieg  die Bunkeranlagen Maybach I und II sowie  der  Fernmeldebunker Zeppelin als die ersten Eisenbetonbauten in Rekordzeit  auf  dem  einstigen  Kaiserlichen Stammlager Zossen gebaut, so dienten sie nach Kriegsausbruch dem Oberkommando des Heeres als Zentrum für militärische Planungen.  Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier die  16.  Luftarmee  der  Sowjetarmee  mit  ihrer  Führung  stationiert.   Ein Terrain,  das  zunehmend  Militär-  und  Hobbyhistoriker  aus  ganz Europa anzieht.

"Ich wusste überhaupt nicht, dass in Wünsdorf die Nachrichtenzentrale der Wehrmacht  und  später  der  Russen  war.  Dabei  bin ich militärhistorisch sehr   interessiert  und  kenne  auch  schon  andere  Bunker,   vor  allem  in Berlin",  staunte  Iwan Schrada aus Berlin-Schöneberg. Er gehörte zu rund 40 Besuchern, die sich kürzlich zu einer zweistündigen Nachtführung durch die  Bunkerwelt  von  Wünsdorf um 22 Uhr in der Bücherstadt auf den Weg machten.  Ausgerüstet mit leistungsstarken Taschenlampen begaben sich die  Bunker-Fans  unter der Führung von Werner Borchert von der Bücher-stadt-Toruismus GmbH zu den Ruinen der Maybach-Anlage.

23  Bunker  waren  hier einst durch Wohnhäuser perfekt getarnt. Im Schein der  Taschenlampen  ragten  die Reste wie gespenstische Gerippe in den Nachthimmel.   Weiteres   Ziel:   der  nahezu  unbeschädigte  Nachrichten-bunker Zeppelin.

In  Pfadfindermanier  streiften  die Besucher  zwischen 9 und 69 Jahren zu nächtlicher   Stunde   durch   Gebäudereste   und  Bunkergänge,  während Werner  Borchert  über  die Geschichte der "Geheimen Stadt" bei Zossen informierte.  "Sie war mit einer 17 Kilometer langen Betonmauer bis 1994 von  der  Öffentlichkeit  streng  abgeschirmt.   35 000  bis  40 000  Russen waren  auf  diesem  knapp  100 Jahre  militärisch genutzten Gelände nach dem   Zweiten   Weltkrieg   stationiert",   so  Borchert,  der  auch  über  die friedliche Nutzung und die "Konversion" in den 90er Jahren sprach und auf den   40-prozentigen  Wohnungsleerstand  in  der  zum  Großteil  sanierten Anlage aufmerksam machte.

Doch  die  Besuchergruppe,  der  auch  Briten und Schweizer angehörten, zog  es  bei über 30 Grad Außentemperatur schnell in die zehn Grad kühle und  noch  immer  faszinierende Bunkerwelt unter der Erde. Die Spannung stieg  auf dem Weg zur 20 Meter tiefen Bunkersohle von "Zeppelin" und in den über 200 Meter langen Verbindungstollen. "Die Bunker waren mit den zivil   bewohnten    Mehrfamilienhäusern   der   Maybachsiedlung  getarnt", erklärte Borchert an Hand von wenig erhaltenen Fotodokumenten aus den 40er  Jahren. Wurden  die  Bauten über der Erde bei einem Luftangriff am 15.März  1945,  bei  dem  120 Zivilisten den Tod fanden, stark beschädigt und  1946/1947  von  den  sowjetischen Besatzungstruppen gesprengt, so blieb  vor  allem der Nachrichtenbunker "Zeppelin aufgrund der Sandwich-Bauweise  im  Boden  fast  unbeschädigt.  "Wir wissen auch nicht, wie die Russen  gesprengt  haben. Sprenglöcher kann man heute noch sehen und an  einigen  Stellen  knirscht e s schon",  so  Borchert,  der  die  nächtliche Spannung noch anheizte.

Neben  dem  Nachrichtenbunker  Zeppelin" wurde der sowjetische Bunker UK 20,  der  in  den  80er  Jahren  neu  gebaut  wurde,  bis zum Abzug der Sowjetarmee  1994  das  "Heiligtum  der  16. Luftarmee". Den Weg in die Tiefe,   der   mit   Taschenlampen   beleuchtet  wurde,  fand  vor  allem  der neunjährige   John   Boock   aus  Schenkendorf  ungeheuer  spannend.  Er nutzte  mit  Geraldine Firley aus Zeesen die Gelegenheit des "Ausschwär-mens"  gegen  23  Uhr  in  dunkle  Räume  und  Nischen,  an deren Wände noch kyrillische Schriftzüge zu sehen ist.

"In den 60er Jahren haben die Russen versucht,  den Bunker A-B-C sicher zu   machen  und  vor  dem  Haupteingang  ein  Schleusensystem  gesetzt. Später  wurde  auch  ein U-Boot-Dieselmotor zur Erzeugung von Notstrom gebaut",  erfuhren  die  Nachtwanderer  über Details in diesem 3-etagigen Bau  unter  der  Erde.  Allein  der  Bunker  Zeppelin  habe bei seinem zwei Jahre   währenden  Bau  40  Millionen  Reichsmark  gekostet.   Er  sei  mit 14700   Quadratmetern   so   groß   wie   drei  Fußballfelder,  so  Borchert. Zwischen  1939  und  1945  diente er unter anderem der Fernschreib- und Fernsprechvermittlung  und  war  mit  modernsten  Anlagen  wie  der  auto--matischen Telefonvermittlung ausgestattet.

 

Bunker bei Nacht

Wanderung mit Taschenlampe durch dunkle Gänge einer ehemals geheimen Stadt

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Fotos: S.
Metzner
Wünsdorf

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