Wann es endlich wieder einen Subbotnik gäbe, sei er schon in den vergangenen Wochen gefragt worden, scherzte Werner Borchert, Geschäftsführer der Bücherstadt Tourismus GmbH und hievte einen mannsgroßen, halbverdorrten Strauch auf die Ladefläche.
Deshalb wunderte es ihn eigentlich, dass sich am Sonnabendvormittag, nun da es soweit war und er den Aufruf gestartet hatte, nur zehn freiwillige Helfer einfanden, um im Bunkerpark der Bücherstadt aufzuräumen.
Subbotnik, übernommen aus dem Russischen, in Anlehnung des Wortes Sonnabend, bedeutet freiwillige Arbeit an arbeitsfreien Tagen. Diese Erfindung fand auch zu DDR-Zeit ihre Anhänger. Ganze Brigaden sind früher losgezogen, um da aufzuräumen und da Ordnung zu schaffen, wo es der sozialistische Staat für nötig hielt, und zwar ehrenamtlich.
Olaf Engels hat den Subbotnik zu diesen Zeiten zwar nicht kennen gelernt, engagiert sich dafür jetzt aber umso lieber in Wünsdorf. Zumal es dort nach Arbeit schreit. Denn auf dem ehemaligen Wünsdorfer Militärgelände herrscht Wildwuchs, so müssen die alten Fahr- und Postenwege immer wieder frei geschnitten werden.
Den dicken Ästen und Stämmen könne man nur noch mit der Kettensäge zu Leibe rücken, erklärte der ehemalige Bootsmotorenschlosser. Die freiwilligen Helfer räumten am Sonnabend auch im früheren Ausbildungsbunker auf. Die hier gelagerten Anschauungstafeln, auf denen sich die Soldaten, die mit dem Russischen Schwierigkeiten hatten, in einer Art Bildsprache informieren konnten, waren der Feuchtigkeit ausgesetzt und mussten in trockenere Räume gebracht werden.
Marion Reichert, Alfred Wolfermann und Werner Leese sorgten dafür, dass sich der Eingangsbereich rund um das alte Postenhäuschen wieder sehen lassen kann.
Seit Abzug der russischen Streitkräfte 1994 liegt das Gelände zu großen Teilen ungenutzt. Der Wildwuchs hat sich ausgebreitet und junge Bäume sind über die Jahre groß geworden. Am 14. Oktober, dem geplanten zweiten Militärfahrzeugtreffen, sollen die Teilnehmer mit den Kettenfahrzeugen auf den Waldwegen fahren, damit die Betonstraßen keinen Schaden nehmen.
Beim Aufräumen stoßen die freiwilligen Helfer manchmal auf Betonpfähle, die noch aus der Zeit stammen, da die deutschen Militärs hier in Wünsdorf das Areal beherrschten. Dort, wo im Gelände die Gullydeckel fehlen, sie werden wegen der hohen Schrottpreise immer wieder gestohlen, findet man nicht selten Tiere, die in die Löcher gestürzt und elendig verendet sind.
Vor allem auf alten, unbewachten Militärobjekten sei das Stehlen von Schrott wieder an der Tagesordnung, erzählte Engels, der schon einige "Schrottis" erwischt hat.
Eingangsbereich
im Postenhäuschen aufgepeppt
von
GUDRUN OTT
Beim Arbeitseinsatz im Bunkerpark Wünsdorf waren Kettensägen und starke Arme gefragt


Zu den freiwilligen Helfern gehörten auch Alfred Wolfermann, Marion Reichert und Werner Leese (v.l.) FOTO: GUDRUN OTT

