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04.10.2006

Die Bücherstadt
im Spiegel  von:

Rainer Steckler vom Wünsdorfer Motorrad-Museum hatte wieder die Freunde der Oldtimer eingeladen. Es habe inzwischen weit über 40 solcher Treffen gegeben, sagte er. Den halben Dienstag über war er damit beschäftigt, die vielen Motorräder und Autos einzuweisen. Händler hatten bereits früh am Morgen ihre Stände aufgebaut, um für den Ansturm gerüstet zu sein. Denn Besitzer von Oldtimern sind bekanntlich immer auch auf der Suche nach Ersatzteilen. Und "Garagenausräumer" wie es ein Fan ausdrückt, würden immer seltener.

Seine Ersatzteile hat er in Holland gekauft, erzählt einer aus Waltersdorf, der für sein Motorrad, Marke NSU, Baujahr 1928, noch nach einem mechanischen Abblendschalter sucht. Als ein Marketenderwagen vorbeirollt, seufzt der Mann: "Ja, den hatte ich auch mal."

Man(n) kann nicht alles haben, auch wenn es für echte Fans nur eins gibt, was sie am Sammeln hindern kann, das Geld. Ein blond Gefärbter in zünftigem Lederdress steigt von seiner französischen Maschine, einer "Soyer", Baujahr 1929. Die sei mehr wert, als ein Auto, bemerkt jemand. Aber das dürfte wohl auf die meisten Motorräder hier zutreffen. Eine "Horex - Imperator" gehört einem ehemaligen Setzer aus Berlin. Elf Stück habe er davon zu Hause, erzählt der Mann. Der Kilometerstand einer BMW R 23 mit Blattfederung des Vorderrades besagt, dass das Motorrad nach seiner Restaurierung noch nicht einmal eingefahren ist.

Alltagstauglich sind sie alle, die versammelten Schönen und Teuren, aber wenn ihnen etwas zustoßen sollte, wäre das mehr als ärgerlich. Bei Andreas Schöps aus Schulzendorf stehen SR 1 und SR 2 sowie eine MAW in der guten Stube, im Wohnzimmer, wo andere Leute ihre Schrankwände haben.

Senior und Junior Wellsandt kamen mit ihrem Primus Diesel zum Oldtimertreffen. Bei ihnen in Rehagen wird die alte Technik noch zur täglichen Arbeit benutzt. Der Barkas der Volkspolizei (VP), den Gert Hofmann in der Uniform eines Meisters der VP vorführte, lief einst auf Berlins Straßen und gehört heute zur "AG Volkspolizei" in Pankow. Das Fahrzeug ist mit Steigleiter ausgestattet, so dass das Fotografieren vom Dach herunter möglich war.

Bei der "Zündapp", einer alten Militärmaschine, wie sie auch im Zweiten Weltkrieg verwendet wurde, bestaunten Motorradfans den mit angetriebenen Beiwagen und die Abblendhaube über dem Scheinwerfer. Letztere sollte verhindern, dass Flieger in der Dunkelheit das Licht bemerkten. Den Besitzer der "Zündapp" ärgerte der Spruch eines der Umstehenden: "Mit einem Stück Strippe und Draht geht es ab bis Leningrad." Und das nicht nur wegen der perfekt restaurierten Maschine.

Und über allem schwebt der "Rote Adler", trefflich intoniert vom Spielmannszug Lauchhammer.

 


Treffen der Teuren und Schönen                                                                  von GUDRUN OTT

Wünsdorfer Oldtimerschau vom Spielmannszug Lauchhammer begleitet

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Fotos :
S. METZNER
Waldstadt -
Wünsdorf

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