
Zarte Nebelschleier liegen über dem ruinösen Wünsdorfer Bunkerpark. Alles scheint, von weitem betrachtet, wie immer - friedlich und still.
Seit Abzug der Sowjets klettern lediglich interessierte Besucher in die klammen Tiefen der Bunkerkatakomben, ansonsten gibt es auf dem Sperrgebiet kein Leben mehr; außer der Natur, die sich das oberirdische Gebiet mit den maroden Militär- und Wohnbauten langsam, aber sicher zurückerobert, mit dichtem Moos überzieht und dem Areal einen gewissen Gruselcharme angedeihen lässt.
Gespenster aus Zeiten des Kalten Krieges oder gar davor waren es dennoch nicht, die am Samstag in der alten Soldatenkantine, teilweise uniformiert, teilweise in Zivil, auf dem Gelände des Nachrichtenbunkers Ranjet Erbsensuppe löffelten und ihre Oldtimer-Jeeps, Mannschaftswagen und Motorräder aus den 60er Jahren, Fahrzeuge wie Tatra, Ural, Robur, LO und GAS 63 Molotow auf der Wiese davor geparkt hatten.
Stattdessen fanden sich rund 1 300 bundesweit angereiste Aussteller und Besucher zum 2. Wünsdorfer Militärfahrzeugtreffen zusammen, einer Art Messe.
Bei der Liebhaber aufgemotzter Militäroldtimer einige der ausgestellten Kriegsvehikel nicht nur bestaunen, sondern auch kaufen konnten. Die entsprechenden Accessoires - Wimpel, Uniformen, Stahlhelme, Tarnjacken und Anstecknadeln aus NVA-, Alliierten- und Kalten Kriegszeiten oder auch einfach nur Original-DDR-Autoaufkleber für (N)Ostalgiker - gab's zuhauf an den Marktständen.
Deren
Betreiber hatten ihr Domizil rund um die biwakierenden "Soldaten"
und ihren Fuhrpark aufgeschlagen. Viele Ältere waren gekommen, um sich
über NVA-Zeiten auszutauschen und ein wenig über Militärtechnik
zu fachsimpeln.
"Glücklicherweise haben wir keine Rechtsradikalen mit angelockt", sagte Werner Borchert, Geschäftsführer der Bücherstadt-Tourismus GmbH, der sich darüber freute; das könne bei solchen Treffen "durchaus passieren".
Gemessen an der Zahl der Aussteller und Besucher sowie in puncto Resonanz war dieses 2. Militärfahrzeugtreffen ein voller Erfolg. "Das sind deutlich mehr als beim ersten Mal im März. Selbst damals war die Veranstaltung schon sehr gut besucht", so Borchert.
Trotz
dieser Bilanz musste Borchert viele enttäuschte Gemüter trösten.
So kam und kam der angemeldete Kettenwagen aus Jüterbog einfach nicht
angerollt - die angekündigten Panzerfahrten fielen ins Wasser. "Mit
diesem Highlight hatten wir im Vorfeld stolz geworben, und jetzt haben die
uns im Stich gelassen!", Borchert ärgert sich. Seine Lehre: "Das
nächste Mal müssen wir solche Teilnehmer vertraglich binden."
Informationen zum nächsten Treffen unter Tel.: 033702-9600
Panzerfahrten
fielen ins Wasser von
ANDREA KEIL
2. Wünsdorfer
Militärfahrzeugtreffen: 1300 Besucher






