Ausgerüstet mit einer Taschenlampe und einem kleinen Lageplan, der in dem Gewirr aus unterirdischen Stollen und Katakomben eine grobe Orientierung verschaffte, kletterten sie in die Tiefen der ansonsten nur mit Aufsichtspersonal zugänglichen Pumpenkammern, Elektroschalträume, Pistolenschießstände und Örtlichkeiten für Notstromaggregate, Rohrpost und Ventilationseinrichtungen. "Bei einer normalen Führung hat man nicht so sehr die Gelegenheit, in Ruhe zu fotografieren und schon gar nicht, sich alle Bereiche des Bunkers anzuschauen", sagt Jens Schmalenberger von der Bücherstadt. Das "Unterirdische Wochenende" sei vor allem für Leute gedacht, die schon mal eine Führung mitgemacht haben, mit Hintergrund-informationen versorgt sind und ohne Zeitdruck ausführlich und individuell den Nachrichtenbunker Zeppelin unter die Lupe nehmen möchten, erklärt er.
Für alle anderen stehe vor Ort Personal zur Verfügung, welches zur Not mit den wichtigsten Informationen dienen soll. Eine Chance, die sich auch Jan Benndorf vom Verein Berliner Unterwelten nicht entgehen ließ. Als Referent und Schutzraumbetreuer der Berliner Bunkeranlagen rund um den Gesundbrunnen ist er mit der Materie bestens vertraut und kommt immer wieder gerne nach Wünsdorf. Mit Kamera und Stativ im Gepäck durchforstet er mit einem Kollegen jeden Winkel und legt sich eine kleine Fotodatenbank an. "Die Wünsdorfer Bunker sind einfach von der Größe und der geschichtlichen Bedeutung etwas ganz Besonderes", schwärmt Benndorf. "So etwas findet man in Deutschland kein zweites Mal!"
Etwas planlos hingegen irrt eine Familie mit drei Kindern durch die Stollen. Sie sind zum ersten Mal hier und suchen vergebens nach dem versprochenen Infopersonal.
Die Strahlen ihrer Taschenlampen schweifen über die vielen technischen Apparaturen, deren Funktion jedoch rätselhaft bleibt. "Mama, was ist das?", fragt der jüngste Sohn und zeigt auf die rostigen Überreste einer Fernmeldeanlage. Doch die Mutter kann nur mit den Achseln zucken: "Das ist schon unglaublich, wie viele technische Tüfteleien hier viele Meter unter der Erde stecken", sagt sie. Dann beschließt sie: "Wir kommen auf jeden Fall wieder! Eine richtige Führung muss man hier einfach einmal mitgemacht haben!"

Allein im "Zeppelin" - Unterirdisches Wochenende von Andrea Keil
Besucher durften den Nachrichtenbunker auf eigene Faust erkunden


FOTOS: S. METZNER Waldstadt-Wünsdorf


